Kapitel 14
CELL-DYN
®
3200 Bedienungsanleitung
48-1868/R9 - Januar 2009
Mit dem Retikulozytenprogramm soll das Gerät für die Analyse von gefärbten,
verdünnten Proben konfiguriert werden. Bei aktiviertem Retikulozytenprogramm
wählt das Gerät automatisch die entsprechende Konfigurationsdatei und passt die
Geräteeinstellungen an die Werte in dieser Datei an. Diese Konfiguration bleibt bis
zum Deaktivieren des Retikulozytenprogramms erhalten. Danach kehrt das Gerät
zu den Standard-Hämatologie-Einstellungen zurück.
Retikulozyten sind nach Definition des Clinical and Laboratory Standards Institute
(früher NCCLS) eine aus der kernhaltigen Reifestufe der Erythrozyten hervorge-
hende Übergangsform der Zelle, bevor sie sich zum sogenannten reifen Erythrozyt
entwickelt. Im Gegensatz zu reifen Erythrozyten enthalten Retikulozyten riboso-
male RNA. Diese RNA kann mit bestimmten kationischen Supravitalfarbstoffen
sichtbar gemacht werden, welche das Polyanion gleichzeitig färben und ausfällen,
wobei ein netzartiges Gerüst, die Substantia reticulogranulo filamentosa, gebildet
wird. Bei der Retikulozytenmethode des CELL-DYN 3200 Systems kommt der
Thiazinfarbstoff Methylenblau Neu N zum Einsatz. Der Retikulozytenassay wird
im WOC-Kanal des Gerätes durchgeführt. Zur Probenvorbereitung werden
manuell 20 µl Blut in einem Röhrchen mit CELL-DYN Retikulozytenreagenz
dispensiert. Bei Raumtemperatur ist die Färbung der Substantia reticulogranulo
filamentosa innerhalb von 15 Minuten abgeschlossen. Die gefärbte Probe wird bei
Probennahme aus offenen Probenröhrchen analysiert. Nach Ansaugen der
gefärbten Probe wird sie mit WBC-Lyse-Reagenz etwa 50fach verdünnt. Nachdem
die Probe mit WBC-Lyse-Reagenz verdünnt wurde, nehmen die Erythrozyten
infolge der Wirkung des in der Färbelösung enthaltenen nichtionischen Detergens
eine Kugelform an. Die Kugelform ist erforderlich, um das optische Richtungsrau-
schen zu eliminieren, das sonst in die Streulichtmessung einbezogen würde. Die
übliche Lysewirkung des WBC-Lyse-Reagenzes wird durch Elektrolyte verhin-
dert, die in der Färbelösung enthalten sind, sowie dadurch, dass die sonst in dem
Kanal bei der WBC-Analyse übliche Inkubationszeit entfällt. Darüber hinaus übt
die hohe Konzentration des Methylenblaus Neu in der Färbelösung eine stabilisie-
rende Wirkung auf die Erythrozyten aus.
Während der Datengewinnung werden die 0°-, 10°- und 90°-Streulichtdaten von
bis zu 30.000 Ereignissen gesammelt. Die 0°-Schwelle ist so hoch angesetzt, dass
die überwiegende Mehrzahl der Thrombozyten ausgeschlossen wird. Zur Differen-
zierung der Retikulozyten, reifen Erythrozyten, Thrombozytenaggregate und kern-
haltigen Zellen werden die Histogrammdaten herangezogen. Retikulozyten weisen
eine 10°-Streuung auf, die der reifer Erythrozyten ähnlich ist, unterscheiden sich
aber von ihnen durch eine höhere 90°-Streuung. Retikulozyten werden in Prozent
angegeben. Liegen Angaben zur Erythrozytenkonzentration vor, berechnet das
Gerät automatisch die absolute Retikulozytenzahl.
Der RBC-Wert kann der Ergebnisdatei der Standard-Hämatologie entnommen
oder vom Bediener direkt in das Menü RETIC PATIENTEN-PROBE eingegeben
werden.
Allgemeine Systemfunktionen
Retikulozytenprogramm
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