5 Schutzmodule
5.9 LVRT – Low Voltage Ride Through [27(t)]
5.9
LVRT – Low Voltage Ride Through [27(t)]
Der steigende Anteil an dezentraler Einspeisung wie Windkraft, Solarenergie und anderen
erneuerbaren Energien in das elektrische Energieversorgungsnetz (DR – Distributed
Resources) hat nicht nur nachhaltige Auswirkungen auf die dafür erforderlichen Schutz-
und Steuerkonzepte sondern auch auf die Art der Messwerterfassung und die
Kommunikation.
Das Verhalten von netzparallel speisenden dezentralen Energieerzeugungsanlagen
während Netzstörungen stellt eine große Herausforderung dar. Die Mehrzahl der
Netzspannungseinbrüche kann dadurch charakterisiert werden, dass sie nur sehr
kurzzeitig, wenn auch mit variabler Länge anstehen.
Konventionelle Schutzkonzepte sahen vor, dass dezentrale Energieerzeugungsanlagen im
Fall eines signifikanten Einbruchs der Netzspannung, so schnell wie möglich vom
elektrischen Energieversorgungs-netz getrennt werden.
Dieses Verhalten, bzw. diese Schutzphilosophie kann nicht länger akzeptiert werden, da
der prozentuale Anteil der dezentralen Einspeiseanlagen an der elektrischen
Energieerzeugung kontinuierlich steigt. Die unkontrollierte Abkopplung systemrelevanter
Anteile auf der Erzeugungsseite im Falle einer Netzstörung gefährdet die Stabilität des
gesamten Energieversorgungsnetzes.
Basierend auf solchen Erfahrungen haben viele Energieversorger Netzanschlussrichtlinien
herausgegeben, die von dezentralen Einspeisungen die Fähigkeit zum Low-Voltage-Ride-
Through während Netzstörungen verlangen.
Was bedeutet LVRT im Detail?
Es ist nicht länger zulässig, eine dezentrale Einspeisung vom Netz zu trennen (zu
entkoppeln), nur weil die Netzspannung kurzzeitig signifikant einbricht. Schutzgeräte und
Steuerungsanlagen haben dies entsprechend zu berücksichtigen. Anstelle dessen, muss
die dezentrale Einspeisung in der Lage sein, einen Netzspannungseinbruch auf der Basis
eines durch den Energieversorger vorgegebenen Spannungsprofils zu durchfahren. Die
äußerliche Verlaufsform der vorgegebenen Spannungsprofile (LVRT-Profile) ähneln sich
länderübergreifend. Die Abweichungen liegen in Details.
Mit Hilfe der LVRT-Funktionalität kann die Netzstabilität genau in jenen Situationen
verbessert werden, wenn die netzstützende Wirkung der dezentralen Einspeiseanlagen
am dringendsten benötigt wird. Es ist davon auszugehen, dass die Bedeutung der LVRT-
Funktionalität mit weiter steigendem Anteil der dezentralen Einspeisung am Energiemix
noch weiter zunehmen wird.
Auf der Basis der oben erwähnten technischen Erfordernisse wurde für das MRU4 ein
LVRT-Modul entwickelt, mit dem die LVRT-Anforderungen aller relevanten nationalen und
lokalen Netzanschlussrichtlinien umgesetzt werden können.
Die folgende Zeichnung zeigt im Detail die unterschiedlichen nationalen LVRT-Standards.
Es ist zu berücksichtigen, dass die Standards (Profile) in einigen Ländern noch in der
Entwicklungsphase sind.
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MRU4
MRU4-3.7-DE-MAN