Neuron.book Seite 132 Freitag, 29. November 2002 2:47 14
Modul: Silver
nen der Filterfrequenz und somit unterschiedlichste
Klangergebnisse erzielt werden können.
Flanger
Flanging beruht ebenfalls auf einer zeitlichen Verzö-
gerung, die im Gegensatz zum Phaser aber ohne Pha-
senverschiebung auskommt (nicht verwechseln mit
dem Neuron-eigenen Parameter Stereo Phase, der im
Flanger, Phaser und im Chorus eine zusätzliche
Klangspreizung vornimmt! Doch zurück...) Das ein-
gehende Audiosignal wird im Flanger, ungeachtet der
Tonhöhe, um eine konstante Delay-Zeit verzögert
und dem Originalsignal am Effekteingang per Rück-
kopplung wieder zugemischt.
Wenn wir uns einen „geflangten" Klang anhören, er-
kennen wir trotz des Delays kein Echo. Der Grund ist
die sehr kurze Verzögerungszeit, die üblicherweise in
einer Größenordnung von 10ms liegt. Das menschli-
che Ohr nimmt aber erst Verzögerungen von mindes-
tens 70ms wahr.
Statt des „Echos" ergeben sich aber nach dem Mi-
schen des Originalsignals und des verzögerten Sig-
nals sogenannte destruktive Interferenzen (welch'
Wort!), die Frequenzauslöschungen und Veränderun-
gen in der Amplitude nicht ausgelöschter Frequen-
zen zur Folge haben. Je größer die Einwirktiefe des
Flangers (Parameter Mix), desto ausgeprägter treten
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die Auslöschungen zutage, d.h. desto mehr verändert
sich das Frequenzspektrum des effektbehafteten Si-
gnals.
Der typische dynamische Flanger-Klang ergibt sich,
wenn man die Delay-Zeit nicht konstant lässt, son-
dern durch eine LFO-Schwingung moduliert: Die Fre-
quenzauslöschungen wandern dann abhängig von
der LFO-Schwingung über die Frequenzachse.
Das „geflangte Summensignal" zeichnet sich durch
Klangverfärbungen und im Extremfall sogar durch
ganz schön unschöne Verstimmungen aus.
Es kursiert übrigens das Gerücht, der erste Flanger sei
ein Unfall gewesen und zwar von niemand Geringe-
rem als den Beatles: Im Studio wurde eine Bandma-
schine zum Erzeugen eines Delay verwendet. Es
heißt, irgend jemand wäre „dummerweise" an eine
der Bandrollen gestoßen und hätte dadurch die Ton-
höhe des verzögerten Signals verändert. Der Legende
nach ist nach längerem Herumbasteln an diesem Zu-
fallseffekt und Mischen der Signale, der typische
Flanger-Sound entstanden. Und weil der Rand der
Tonbandspule als 'Flange' bezeichnet wird, war der
Name des Effekts eigentlich schon festgelegt.