6.3.1. Hinweise zur Werkstück Vor-/Nachbereitung
Bei den meisten Stahlarten hängt das Schweißergebnis we-
sentlich von der Nahtvorbereitung ab. Eine der wichtigsten
Voraussetzungen ist die Sauberkeit der Schweißnahtkanten.
Diese müssen nicht nur metallisch blank, d.h. frei von Oxi-
den und Zunder sein, sondern dürfen auch keine Verunrei-
nigungen durch Fette, Öle oder andere organische Stoffe
aufweisen, die zu Aufkohlungen und Einschlüssen in den
Schweißnähten führen können. Am besten nach der Reini-
gung die Nahtstellen mit einem passenden Entfettungsmit-
tel behandeln.
Am Ende jeder Schweißarbeit müssen die Schlacken
entfernt werden!
6.4. Schweißübungen
6.4.1. Die erste Schweißung
Anfänglich werden Sie einige Schwierigkeiten beim
Zünden der Elektrode haben. Vermutlich wird die
Elektrode „picken" bleiben. Das liegt daran, daß das
Timing zwischen Berühren des Werkstücks zwecks
Zünden und das darauf folgende Entfernen der Elekt-
rode vom Werkstück nicht stimmt.
Die meisten Anfänger berühren das Werkstück zu hart
und ziehen die Elektrode viel zu spät weg. Dies fällt
umso stärker auf, je niedriger die Schweißstromstär-
ke eingestellt ist.
Ein Tipp: Versuchen Sie eine ähnliche Bewegung wie
beim Anzünden eines Streichholzes.
Das zweite Problem, welches vermutlich auftreten
wird, ist, daß der Lichtbogen öfters erlischt. Dies liegt
daran, daß Sie die Elektrode zu weit vom Werkstück
entfernen. Der Abstand sollte 1,6-3,2mm betragen.
Sie dürfen sich aber nicht vorstellen, daß Schweißer
mit der Schiebelehre stetig den Abstand messen. Den
korrekten Abstand HÖRT man am Geräusch des Licht-
bogens. Es ist ein gleichmäßiges, ruhiges Geräusch.
Egal ob zu nah oder zu weit entfernt ändert sich die-
ses Geräusch. Nebenbei sieht man einen falschen Ab-
stand auch an einer ungleichmäßigen Schweißnaht.
Das dritte Problem, welches auftreten wird ist, daß
Sie ein Gefühl für die Vorwärtsbewegung der Elektro-
de bekommen müssen. Nach der Zündung sollte die
Elektrode 20° geneigt gehalten werden. Sie müssen
die Elektrode so schnell vorwärts bewegen, wie der
Werkstoff aufschmilzt. Das Schweißbild sollte Schup-
penartig sein.
Bewegen Sie die Elektrode zu schnell ist die Schweiß-
naht zu schmal und es entstehen einzelne Punkt-
schweißungen. Bewegen Sie die Elektrode zu langsam
wird die Schweißnaht zu breit und zu hoch.
● Schutzbekleidung muss angezogen, Helm und Augen-
schutz muss aufgesetzt sein!
● Nehmen Sie den Elektrodenhalter zur Hand und stellen
Sie sicher, dass die Elektrode nichts berührt bzw. legen
Sie den Elektrodenhalter isoliert ab.
● Schalten Sie den Hauptschalter des Schweißgerätes ein
und stellen Sie den Schweißstrom auf 120 Ampere.
● Setzen Sie sich an Ihren Arbeitsplatz.
● Wie in obiger Abbildung gezeigt, führen Sie Ihre erste
Schweißung durch - oder Ihre ersten Schweißungen.
Üben Sie, bis Sie ein Gefühl für Zündung, Elektroden-
abstand und Vorschub bekommen haben.
● Sobald Sie genug geübt haben, legen Sie den Elektro-
denhalter isoliert ab und schalten Sie den Hauptschal-
ter des Schweißgerätes aus.
DE
ca.20°
1,6-3,2 mm
6.4.2. Die zweite Schweißübung
Das Reinigen des Werkstückes, Anlegen der Schutz-
kleidung, Ein-/Ausschalten des Gerätes sowie das Ab-
legen der Elektrode wird hier nicht mehr gesondert
angeführt! Bitte beachten Sie die angeführten Schrit-
te in 6.3. und 6.4.1.
Nachdem Sie einige Erfahrung im Umgang mit der Elektrode
gesammelt haben, besteht die zweite Übung darin 2 Platten
auf Stoß miteinander zu verschweißen.
Dazu sagt man: „I-Stoß in Wannenposition".
● Nehmen Sie 2 gleich große Metallplatten (nicht legiert
oder gehärtet, Stärke ca.5mm) und legen Sie diese in
einem Abstand von ca. 2mm auf den Arbeitsplatz.
Sollten Sie nur Metallplatten mit einer Stärke >6mm
zur Hand haben, müssen die Stoßkanten so ange-
schliffen werden, daß sich ein
70-90° ergibt. Dies gewährleistet, daß die Einbrand-
tiefe groß genug ist.
< 6 mm
~2 mm
● Verwenden Sie wieder eine RC3 Elektrode, Ø3,2mm
● Setzen Sie an beiden Kanten kurze Schweißpunkte um
die Platten zu fixieren. Dieses Heften hat weiters den
Vorteil, daß die Platten während des Abkühlvorgangs
nicht aus der Form geraten - aber dazu später.
20-30°
Heftpunkt
● Schweißen Sie im Anschluss den Verbindungsstoß an
der Oberseite.
Sie werden im Gegensatz zur ersten Übung eine Ver-
änderung in der Handhabung feststellen. Die Vorwärts-
bewegung muss wieder so erfolgen, daß die Geschwin-
digkeit dem Aufschmelzvorgang entspricht. Reduzieren
Sie die Geschwindigkeit keinesfalls so weit, dass sich
die entstehende Schlacke vor den Lichtbogen legt.
Bei dicken Platten werden Sie feststellen, daß bei
korrektem Vorschub die Nut nicht vollständig aufge-
füllt wird. Es muss eine zweite Schweißung über die
erste Naht gesetzt werden. Dazu muss die Schlacke
mit einer Drahtbürste entfernt werden - im Anschluss
kann die zweite Naht darüber gesetzt werden - und so
weiter. Als Faustregel gilt, daß die Schweißnahtbreite
nicht größer als 3x Elektrodendurchmesser sein soll-
te. In unserem Übungsbeispiel also ca. 10mm. In der
Abbildung unten sieht man den Beispielhaften Aufbau
einer Mehrlagenschweißung.
6
● Sobald die Obernaht fertig ist, drehen Sie das Werk-
stück um, entfernen an der Unterseite ebenfalls die
Schlacke und führen die abschließende Schweißnaht an
der Unterseite aus.
● Abschließend entfernen Sie beidseitig die Schlacke.
Öffnungswinkel von
70-90°
>6 mm
~2 mm
Elektrode
Heftpunkt
9
7
8
5
4
3
2
1
10. Abschlußschweißung
an der Unterseite
13