Art der Signalspannung
Mit dem HM604 konnen praktisch alle sich periodisch
wiederholende Signalarten oszilloskopiert werden, deren
Frequenzspektrum unter 60 MHz liegt. Die Darstellung
einfacher elektrischer Vorgange, wie sinusformige HF-
und NF-Signale oder netzfrequente Brummspannungen,
ist in jeder Hinsicht problemlos. Bei der Aufzeichnung
rechteck- oder impulsartiger Signalspannungen ist zu
beachten, daft auch deren Oberwellenanteile ubertra-
gen werden mussen. Die Folgefrequenz des Signals mufS
deshalb wesentlich kleiner sein als die obere Grenz-
frequenz des Vertikalverstarkers. Bei der Auswertung
solcher Signale ist dieser Sachverhalt zu berucksichtigen.
SchwierigeristdasOszilloskopieren von Signalgemischen,
besonders dann, wenn darin keine mit der Folgefrequenz
standig wiederkehrende hoheren Pegelwerte enthalten
sind, auf die getriggert werden kann. Dies ist z.B. bei
Burst-Signalen der Fall. Urn auch dann ein gut getriggertes
Bild zu erhalten, ist u.U. die Zuhilfenahme des Zeit-
Feinstellers und/oder der HOLD-OFF-Zeit-Einstellung er-
forderlich (siehe auch Abschnitt ,,Ablenkverzogerung",
After Delay Triggerung).
Fernseh-Video-Signale sind mit Hilfe des aktiven TV-
Sync-Separators
(TV
SEP.-Schalter) leicht triggerbar (sie¬
he ,,TV~Triggerung).
Fur den wahlweisen Betrieb als Wechsel-oder Gleichspan-
nungsverstarker hat der Vertikalverstarker-Eingang einen
DC/AC-Schalter (DC = direct current; AC = alternating
current). Mit Gleichstromkopplung DC soilte nur bei vor-
geschaltetem Tastteiler oder bei sehr niedrigen Frequen-
zen gearbeitet werden, oder wenn die Erfassung des
Gleichspannungsanteils der Signalspannung unbedingt
erforderlich ist.
Bei der Aufzeichnung sehr niederfrequenter Impulse kon¬
nen bei AC-Wechselstromkopplung des Vertikalverstar¬
kers storende Dachschragen auftreten (AC-Grenzfrequenz
ca. 3,5Hz fur -3dB). In diesem Falle ist, wenn die Signal¬
spannung nicht mit einem hohen Gleichspannungspegel
uberlagert ist, die DC-Kopplung vorzuziehen. Andernfalls
muft vor den Eingang des auf DC-Kopplung geschalteten
Meftverstarkers ein entsprechend grower Kondensator
geschaltet werden. Dieser muC eine genugend grofte
Spannungsfestigkeit besitzen. DC-Kopplung ist auch fur
die Darstellung von Logik- und Impuls-Signalen zu emp-
fehlen, besonders dann, wenn sich dabei das Tastverhaltnis
standig andert. Andernfalls wird sich das Bild bei jeder
Anderung auf- oder abwarts bewegen. Reine Gleich-
spannungen konnen nur mit DC-Kopplung gemessen
werden.
GroRe der Signalspannung
In der allgemeinen Elektrotechnik bezieht man sich bei
Wechselspannungsangaben in der Regel auf den
Effektivwert. Fur SignalgroCen und Spannungsbezeich-
nungen in der Oszilloskopie wird jedoch der Vss-Wert (Volt-
Spitze-Spitze) verwendet. Letzterer entspricht den wirkli-
chen Potentialverhaltnissen zwischen dem positivsten
und negativsten Punkt einer Spannung.
Will man eine auf dem Oszilloskopschirm aufgezeichnete
sinusformige Grofte auf ihren Effektivwert umrechnen,
muf2> der sich in Vss ergebende Wert durch 2 x
T2
= 2,83
dividiert werden. Umgekehrt ist zu beachten, daft in Veff
angegebene sinusformige Spannungen den 2,83fachen
Potentialunterschied in Vss haben. Die Beziehungen der
verschiedenen SpannungsgrofJen sind aus der nachfol-
genden Abbildung ersichtlich.
Spannungswerte an einer Sinuskurve
VoH - Effektivwert; Vs = einfacher Spitzenwert;
Vss = Spitze-Spitze-Wert; Vmom - Momentanwert
Die minimal erforderliche Signalspannung am Y-Eingang
fur ein 1 cm hohes Bild betragt ca. 2mVss, wenn der
Eingangsteilerschalter bis zum Anschlag nach rechts ge~
dreht ist. Es konnen jedoch auch noch kleinere Signale
aufgezeichnet werden. Die Ablenkkoeffizienten am
Eingangsteiler sind in mVss/cm oder Vss/cm angegeben.
Die GroRe der angelegten Spannung ermittelt man
durch Multiplikation des eingestellten Ablenkkoeff¬
izienten mit der abgelesenen vertikalen Bildhohe in
cm. Wird mit Tastteiler 10:1 gearbeitet, ist nochmals mit
10 zu multipilizieren. Fur AmpUtudenmessungen muR
der Feinsteller am Eingangsteilerschalter in seiner
calibrierten Stellung
CAL.
stehen (Pfeil waagerecht
nach rechts zeigend). Wird der Feinstellknopf nach links
gedreht, verringert sich die Empfindlichkeit in jeder
Teilerschalterstellung mindestens um den Faktor 2,5. So
kann jeder Zwischenwert innerhalb der 1-2-5 Abstufung
eingestellt werden. Bei direktem AnschlulS an den Y-
Eingangsind Signale bis200V
ss
darstellbar (Teilerschalter
auf
lOV/cm,
Feinsteller auf Linksanschlag).
Mit den Bezeichnungen
H= Hohe in cm
des Schirmbiides,
U= Spannung in Vss
des Signals am Y-Eingang,
A= Ablenkkoeffizient in V/cm
am Teilerschalter
lafSt sich aus gegebenen zwei Werten die dritte GrofSe
errechnen:
U = A • H
H=
A
A=
H
Alle drei Werte sind jedoch nicht frei wahlbar. Sie
mussen beim HM604 innerhalb folgender Grenzen
liegen (Triggerschwelle, Ablesegenauigkeit):
Anderungen vorbehalten
M3 604-2