PPG Wave 2.3 Bedienungsanleitung
Dieser Kurvenverlauf wird üblicherweise als ADSR bezeichnet. Damit kann z.B. die
Lautstärke so gesteuert werden, dass sie je nach Wunsch langsam oder plötzlich stärker
wird. Bei einer Hüllkurve können die Grössen ADSR zwar beliebig eingestellt werden, eine
Wirkung können sie in einigen Kombinationen nicht haben. Steht der S (Sustain)-Regler auf
seinem grössten Wert, kann der D (Decay)-Regler keine Wirkung zeigen.
Alle Synthesizerkomponenten stehen in starker Abhängigkeit zueinander, so dass bei
Fehlbedienungen möglicherweise kein Signal zu hören ist: wenn z.B. der Lautstärkeregler
(VCA) und/oder der Filter (VCF) geschlossen ist. Das gleiche passiert, wenn man die
Lautstärke oder den Filter über eine Hüllkurve steuern will, die ADSR-Regler aber nicht
entsprechend geöffnet hat. Bei Synthesizern mit mehreren Hüllkurven wird klar, dass eine
kurze Lautstärke-Attack-Einstellung (plötzlicher Ton) nicht mit einem langsamen Filteröffnen
verbunden sein kann.
Der LFO (LOW FREQUENCY OSCILLATOR) ist ein weiterer Bestandteil eines Synthesizers,
mit dem die Hauptteile (VCO, VCF und VCA) beeinflusst werden können (Modulation). Mit dem
LFO erzeugt man Tremolo- und Vibratoeffekte.
4.2
Grundlagen des PPG-Systems
Die Klangherstellung bei analogen Synthesizern beruht auf dem Prinzip der subtraktiven
Synthese. d.h. durch Filtern obertonreicher Wellenformen werden unterschiedliche Klänge
produziert. Diese Synthesizer bieten jedoch meistens nicht mehr als drei oder vier
verschiedene Wellenformen als Grundklangmaterial an (s.o.) und man hat schnell die Grenzen
erreicht.
Die zweite Form ist die additive Synthese. Hier werden einzelne Obertöne zu Klängen
zusammengesetzt, wodurch alle erdenklichen harmonischen Wellenformen möglich sind.
Nach dem Prinzip der additiven Synthese wurden die Wellen des WAVE 2.3 von PPG
entwickelt. Vom Werk sind über 1800 (!) verschiedene Wellenformen im WAVE 2.3
gespeichert und können vom Benutzer nicht gelöscht werden. (Mit dem PPG-WAVETERM
lassen sich auch die Wellen selbst zusammensetzen.) Alle Wellenformen werden wie bei
einem subtraktiven Synthesizer als Grundklangmaterial verwendet. Neben den auch dort
üblichen Beeinflussungsmöglichkeiten VCF 24 dB Tiefpass je Stimme, je 2 ADSR-Hüllkurven,
AR-Hüllkurve, LFO und VCA gibt es verschiedene Regelgrössen mit Multiparameter-
Funktionen. Sämtliche Funktionen des WAVE 2.3 sind speicherbar.
Das Besondere an der WAVE 2.3 Synthese ist, neben den vielen Wellenformen, die
Möglichkeit, bis zu 64 einzelne Wellenformen innerhalb des Verlaufes eines Tones
aufzurufen. Klänge können sich also fliessend verändern und müssen nicht mit einer einmal
eingestellten Klangfarbe nahezu statisch (ausser Filterbewequng) über die ganze Dauer
eines Tones stehen. Derartige Klangverläufe bereichern durch ihre Lebendigkeit den Sound
des Instrumentes.
Um die Form der Klangherstellung in Ansätzen zu verstehen, hier einige Anmerkungen zur
Digitaltechnik. Als Beispiel soll eine Sinuswelle betrachtet werden von der eine Periode in eine
bestimmte Anzahl von Teilstücken aufgeteilt wird. Jedes Stück hat entsprechend der Position
in der Welle eine bestimmte Amplitude. die man z.B. in Volt ausdrücken kann. Je feiner man die
Sinuswelle zerlegt, umso genauer wird bei der Rückumwandlung die Form der Sinuswelle
wieder erkennbar sein. Diesen Vorgang nennt man Quantisieren. Das gleiche geschieht in
einem Digital-Analog-Wandler (Converter). Die resultierenden Einzelgrössen werden jetzt
nicht in Spannungen (Volt) angegeben, sondern für jede Spannung steht eine Zahl aus dem
Binärcode, der nur aus den Grössen 1 und 0 besteht. Diese Binärzahlen können gespeichert
und im Computer verarbeitet werden.
Die folgenden Ergänzungen bis und mit der Darstellung sind aus dem Manual des Wave 2.2
übernommen und auf den Wave 2.3 angepasst:
Januar 1985
11 / 63
Januar 2003