Bild 9: Typischer Frequenzgang eines ELV-RV-100 bei 50 W Ausgangsleistung.
kontakten Pin 5 stellt sich aufgrund des
Spannungsteilers aus R x22 und R x18 eine
Spannung von etwa -40 V ein.
Nach der Kontrolle der Anodenspan-
nungen der Vor- und Treiberstufe RO x00
bzw. RO x01, die an Pin 1 und Pin 6 der
jeweiligen Röhre eine Spannung von ca.
260 V ergeben soll, wird zuletzt die Heiz-
spannung an den Röhren geprüft. Da es sich
hier um eine Wechselstromheizung in Par-
allelschaltung handelt, muss die Spannung
an allen Röhrensockeln geprüft werden,
wobei zu beachten ist, dass das verwendete
Messgerät auf den AC-Messbereich umzu-
schalten ist. Stehen alle Spannungen ord-
nungsgemäß an, so kann mit der eigentli-
chen Inbetriebnahme begonnen werden.
Dazu wird die Röhrenendstufe ausge-
schaltet und vom Netz getrennt. Um Si-
cherheitsrisiken zu vermeiden, muss mit
dem Einsetzen der Röhren solange gewar-
tet werden, bis die Anodenspannungen an
den Punkten ST x17 kleiner 34 V sind (mit
einem Spannungsmessgerät kontrollie-
ren!). Da wir nicht beide Stereokanäle
gleichzeitig in Betrieb nehmen werden,
sind zunächst nur die Röhren der linken
Endstufenseite zu bestücken. Beim Einset-
zen der beiden Leistungsröhren RO 102
und RO 103 (Typ ELV E34L) gibt die
Führungsnut im Sockel die richtige Ein-
bauposition vor. Die Novalsockel der Vor-
und Treiberstufe sind unsymmetrisch und
verhindern so eine falsche Einbaulage die-
ser Röhren. Die Treiberstufenröhre RO
101 vom Typ ECC 82 wird in den äußeren
Sockel eingesetzt, folglich ist die Vorstu-
fenröhre RO 100 vom Typ ECC 81 in den
mittleren Sockel einzustecken.
Um auch bei der Inbetriebnahme einen
ausreichenden Berührungsschutz gegen-
über den heißen Röhren sicherzustellen, ist
die Röhrenabdeckhaube unbedingt zu mon-
tieren.
Zum Abgleich ist es weiterhin unbe-
dingt erforderlich, die Ein- und Ausgänge
einer Endstufe mit entsprechenden norm-
gerechten Impedanzen abzuschließen. Der
einfach herzustellende Abschlussstecker
für den NF-Eingang, bestehend aus einem
Cinchstecker mit 680Ω-Widerstand, bietet
die Möglichkeit, den Abschluss später
schnell und ohne weitere Lötarbeiten wech-
seln zu können.
Die korrekte Beschaltung des Ausgan-
ges ist etwas aufwendiger, da hier zwei
8Ω-Widerstände mit einer Belastbarkeit
von mindestens 50 W (!) benötigt werden.
Von der Verwendung eines Lautsprechers
als Last muss abgeraten werden, da es hier
zum Mikrofonie-Effekt kommt, d. h. der
Lautsprecher wirkt als Mikrofon und die
Schallereignisse im Raum sind an den Laut-
sprecherausgängen messbar. Eine ausrei-
chend gute 8Ω-Last lässt sich durch die
Vorschaltung mehrerer handelsüblicher
Hochlastwiderstände erreichen.
Eine Röhrenendstufe darf nie ohne
Lastwiderstand betrieben werden, da
durch die fehlende Entmagnetisierung
Spannungen am Übertrager entstehen kön-
nen, die zu Überschlägen im Übertrager
und in den Endstufenröhren führen. Daher
ist vor dem Einschalten der Röhrenendstu-
fe stets die ordnungsgemäße Anschaltung
der Lautsprecherlast zu prüfen. Sind Ein-
und Ausgänge der Röhrenendstufe ent-
sprechend beschaltet und die Pegelregler
R x00 auf Linksanschlag, so kann mit der
Inbetriebnahme fortgefahren werden.
Zur groben Voreinstellung wird zunächst
das Ausgangssignal am Lautsprecheraus-
gang mit dem Oszilloskop überwacht und
der Anodenstrom als Spannungsabfall über
den beiden Katodenwiderständen R 124
und R 125 gemessen. Die High-End-Röh-
renendstufe kann dann zum ersten Mal mit
Röhrenbestückung eingeschaltet werden.
Nach einer kurzen Aufwärmzeit von ca.
einer Minute stabilisiert sich der Anoden-
strom, wobei am Lautsprecherausgang zu-
nächst nur ein Rauschsignal (evtl. mit ei-
nem überlagerten 100Hz-Brummen) sicht-
bar ist. Ist auf dem Oszilloskop ein Aus-
gangssignal mit beachtlicher Amplitude
zu erkennen, so deutet dies auf das Schwin-
gen der Endstufe hin aufgrund eines Feh-
lers in der Gegenkopplung. Der Verstärker
ist sofort auszuschalten, vom Netz zu tren-
nen, und etwaige Verdrahtungsfehler sind
zu beheben.
Ist am Lautsprecherausgang kein Schwin-
gen mehr messbar, wird der Vorabgleich
mit der groben Einstellung des Ruhestro-
mes fortgesetzt. Durch die wechselseitige
Einstellung von R 134 und R 122 ist dazu
der Spannungsabfall über R 124 und R 125
auf 600 mV einzustellen. Zum Abgleich
darf aus sicherheitstechnischen Gründen nur
ein nichtleitender Abgleichschraubendre-
her verwendet werden.
Um die nun folgende Einstellung der
Gesamtverstärkung vornehmen zu können,
wird am NF-Eingang der Abschlussstek-
ker entfernt und ein 1kHz-Bezugssignal
mit einem Pegel von 775 mV, entspre-
chend 0 dBm an 600 Ω, eingespeist. Über
die Veränderung der Gegenkopplung mit
Hilfe des Trimmers R 106 wird die Verstär-
kung und damit der maximale Ausgangssi-
gnalpegel bei gegebenem Eingangsbezugs-
pegel eingestellt. Zum Abgleich ist der Pe-
gelregler auf Maximum zu bringen und der
Ausgangspegel mit R 106 auf 57 V
stellen, dies entspricht einer abgegebenen
Leistung von 50 W. Über die Formel
2
U
SS
=
P
⋅
8
R
L
lässt sich die an die Last abgegebene Lei-
stung einfach berechnen.
Da neue Röhren eine gewisse Einlauf-
zeit benötigen, bis sich ihre Daten stabili-
siert haben, ist es ratsam, die Endstufe jetzt
ca. 30 Minuten bei halber Vollaussteue-
rung „einlaufen" zu lassen.
Nach den groben Voreinstellungen und
dem kleinen „burn in" werden wir jetzt
den exakten Abgleich der Röhrenendstu-
fe durchführen. Dazu ist der Röhrenver-
stärker auszuschalten, vom Netz zu tren-
nen, und die NF-Eingänge werden wie-
der mit den Abschlusssteckern versehen.
Für die exakte Einstellung des Arbeits-
punktes der Endstufe ist es notwendig, den
Anodenstrom der jeweiligen Röhre zu
einzu-
SS
19