Wasserqualität Information
Korrosionen
Korrosion durch
Halogenkohlenwasserstoffe
Der BDH sieht sich veranlasst, über
die Gefahr zu informieren, die durch
Halogenkohlenwasserstoffe in der
Verbrennungsluft für Heizungs-
anlagen entstehen kann. Dieses
Informationsblatt gibt einen Über-
blick über Schadensbild, Schadens-
ursache und Herkunft der Halogen-
verbindungen. Gleichzeitig werden
Hinweise gegeben, um nach
Möglichkeit bei der Planung von
Anlagen Schäden durch Halogen-
kohlenwasserstoffe vorbeugen zu
können. Das Informationsblatt
nimmt nicht zur Verantwortung bei
ausgeführten Anlagen Stellung.
1.
Schadensbild
Beim Betrieb von Heizkesseln in
Räumen, in denen "Halogenver-
bindungen" in der Luft enthalten sind,
beobachtet man Korrosionsschäden,
vornehmlich an Gasheizungen, die mit
einem flächigen Angriff der betroffenen
Metalle verbunden sind.
Davon werden alle metallischen
Werkstoffe (einschl. Edelstahl) be-
fallen. Sie treten hauptsächlich im
Brennraum und an Kesselheizflächen,
aber auch an Metallen im Bereich der
Abgasstutzen, Verbindungsstücke
(Abgasrohr) und Schornsteine auf.
In besonders schweren Fällen finden
sich sogar Korrosionserscheinungen
ausserhalb des Kessels. Infolge des
flächigen Angriffs ist die Funktion der
Heizanlage zunächst nicht gestört,
diese bleibt auch weiterhin funktions-
fähig. Trotzdem sollte man Abhilfe
schaffen. Ausserdem muss natürlich
damit gerechnet werden, dass bei
weiterem Fortschreiten des
Korrosionsangriffs irgendwann einmal
die Anlage ausfallen wird.
Grundsätzlich ist der beschriebene
Vorgang nicht auf gasbetriebene
Heizungen beschränkt, er tritt auch bei
Ölfeuerungen auf und vermutlich auch
bei Kohlefeuerungen.
Infolge der abweichenden Betriebs-
bedingungen dieser Anlagen wird er
dort aber durch andere Einflüsse
überdeckt.
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Vermutlich ist diese Schadensform
auch schon früher an Heizanlagen
aufgetreten, jedoch nicht richtig er-
kannt worden.
Die Ursache der beschriebenen
Korrosion lässt sich auf einfache
Weise sicher feststellen: In allen
Fällen enthält der Rost Chlorid-Ionen
und gegebenenfalls Fluor-Ionen,
je nach Schwere des Falles in
wechselnden Mengen.
2.
Schadensursache
Ursache der beschriebenen Korro-
sionserscheinungen sind leicht
flüchtige Halogenverbindungen, die
in der Verbrennungsluft mitgeführt
werden. Da die speziellen und zudem
wechselnden Bezeichnungen dieser
Stoffe nur dem Spezialisten etwas
sagen, wird hier und im folgenden
nur der Ausdruck "Halogenver-
bindungen" verwendet. Näheres
darüber, um welche Fluor- und
Chlor-Verbindungen es sich im
einzelnen handelt und woher sie
stammen, siehe Tabelle auf der
folgenden Seite.
In der Flamme bildet sich aus diesen,
mit der Verbrennungsluft einge-
brachten Halogenverbindungen sehr
aggressive Salzsäure und gegebenen-
falls Flusssäure, die sich in der Heiz-
anlage auch bei sehr geringer
Konzentration der Schadstoffe in der
Luft aufkonzentrieren können.
Dabei ist zu beachten, dass kleine
Mengen Säure über längere Zeit
wirksam bleiben, so dass im
ungünstigsten Falle eine einmalige
Belastung zur Auslösung der
Korrosion ausreicht. Beide Effekte
sind zu beachten, wenn nach
Schadenursachen gesucht wird.
Auch beim Verfeuern von verun-
reinigtem Heizöl, z.B. durch Zugabe
von Altöl, sind Chloridschäden
bekanntgeworden.
3.
Herkunft der Halogen-
verbindungen
Halogenverbindungen werden in der
Industrie, im Gewerbe und auch in
Haushaltsprodukten verwendet. Bei
Zusammentreffen mehrerer
ungünstiger Faktoren kann es dazu
kommen, dass diese an der Ver-
brennung teilnehmen.
Die Tabelle auf der nächsten Seite
führt die bisher bekannten Haupt-
quellen auf. Praktisch wichtig sind die
verschiedenen, bei Reinigung und
in Kleb- bzw. Anstrichmitteln ver-
wendeten Lösungsmittel.
Chemische Reinigungen und Ent-
fettungsbäder kommen als Quellen
für Halogenverbindungen ebenso in
Frage wie Fussbodenkleber und
anderes. Neuanstriche in Heizräumen
können ausreichend Halogenver-
bindungen abgeben, um eine Anlage
zu zerstören. Einschränkend muss
jedoch - gemäss einer Information
des Deutschen Maler- und Lackierer
Handwerks - angemerkt werden, dass
"Bautenlacke und Bautenfarben aus
deutscher Produktion schon seit
Jahren ohne halogenierte Kohlen-
wasserstoffe rezeptiert werden.
Dasselbe gilt für Bauklebstoffe.
Bei Maler- und Lackiererarbeiten
können freie Halogenverbindungen
nur in den seltenen Fällen entstehen,
wo CKW-haltige Abbeizmittel oder
CKW-haltige Klebstoffentferner ein-
gesetzt werden.
FCKW-haltige Sprühdosenlacke oder
Sprühdosenklebbstoffe werden von
den professionell arbeitenden Hand-
werkern so gut wie nicht eingesetzt.
Auch die häufig zur Desinfektion und
zur Reinigung verwendeten Bleich-
laugen (Javellewasser) sind als
Ursache der beschriebenen Korrosion
nachgewiesen worden.
Schliesslich muss hier die gelegentlich
zu Beiz- und Reinigungszwecken ver-
wendete Salzsäure selbst erwähnt
werden, die als Schadensverursacher
auftreten kann, wenn ihre Dämpfe in
den Brennraum geraten.