Während die erste Variante keiner weiteren Erläuterung bedarf (Prinzip des Zweikanalempfängers), soll die
zweite Variante näher betrachtet werden.
Stellen Sie beide Audiokanäle zunächst exakt gleich ein (Frequenz, Demodulator, Darstellbreite,
Verstärkung / Regelung, Marker, Kerbfilter, DNR ...) z. B. auf Empfang eines Rundfunksenders. Sie
werden auf beiden Seiten des Kopfhörers exakt das gleiche Signal hören, so als würden Sie nur einen
Kanal verwenden und diesen auf „LR" geschaltet haben (also an beide Seiten des Kopfhörers). Der
Höreindruck entspricht dem Empfang eines monophonen Signals in einem Stereoempfänger (UKW oder
DRM), natürlich mit geringerer Qualität.
Variieren sie nun die Einstellung eines Kanals bei verschiedenen Parametern um geringe Werte. Beginnen
sie mit der Verschiebung einer Kanalfrequenz um die minimale Schrittweite (0,5 Hz) und versuchen sie
weiterhin Änderungen an Regelverhalten, Bandbreite (Marker), Lage im Spektrum (bei Automatik-
Demodulator, sehr wirkungsvoll!), Kalibrierung usw. Sie erzielen dadurch einen kleinen Unterschied in der
scheinbaren „Lage" des Signals im Stereoraum, also Verschiebung nach rechts oder links (vorwiegend bei
Pegeländerungen) oder des Verhältnisses des Signals zum Rauschen oder zu anderen Signalen
(vorwiegend bei Frequenzänderungen). Der Höreindruck wird „räumlich" ähnlich dem von
Stereoaussendungen (schlechter) Qualität.
Ziel dieser Betriebsweise ist es, einen angenehmeren (weniger ermüdenden) Höreindruck zu gewinnen,
oder sogar die Verständlichkeit und Selektierbarkeit des verfolgten Signals gegenüber Rauschen und
Störsignalen zu erhöhen.
Aufgrund der Vielzahl der verstellbaren Parameter und der starken Abhängigkeit vom Grad der Verstellung
beider Kanäle gegeneinander sowie den verschiedenen Signalformen, ist jede Einstellung „einmalig" und
die Wirkung nur versuchsweise zu ermitteln. Mit einigem Aufwand sind Einstellungen möglich, die eine
große Verbesserung des Höreindrucks bewirken (speichern sie solche Einstellungen, wenn sie das Signal
öfter verfolgen oder als Grundlage für andere Variationen nutzen möchten!).
Der Grund liegt in der streng parallelen und hochgenauen (digitalen) Arbeitsweise der Kanäle des RDR54.
Genaugenommen entstammt beispielsweise das Rauschen beider Kanäle der gleichen Quelle und ist
damit korreliert und per destruktiver Interferenz ausblendbar. Das gilt natürlich auch für das
Empfangssignal. Geringe Unterschiede in Phasenlage, Pegel, Bandbreite usw. können aber eine große
Änderung des Signal-Störsignalverhältnisses bewirken, auch wenn alle Signale durch Interferenz
abgeschwächt werden. Erhöhen sie gegebenenfalls die Lautstärke und nutzen sie in Extremfällen den 6 dB
Sicherheitsbereich zwischen oberer horizontaler Markerlinie und der einsetzenden Begrenzung des
Audiosignals.
Allerdings verursacht die beschriebene Arbeitsweise bei ungünstiger Einstellung auch höhere
Rauschpegel, da sich das Rauschen der Kanäle ebenso addieren kann.
AUSGABE
DATUM
1.10
06.06.10
K & M
NAME
RDR54 BA07.PDF
B. Reuter
Burkhard Reuter
Seite 44