Sie können aber praktisch unbegrenzt lange belichten, wenn Sie den Modus B (Bulb) verwen-
den. Meist wird die Verschlusszeit, die Sie wählen möchten, durch die Bewegung des Motivs
oder der Kamera begrenzt, denn sonst wären Bewegungsunschärfe oder Verwacklung die
Folge. Zu kurze Verschlusszeiten begrenzen aber die Lichtmenge, die auf den Sensor fällt, so-
dass Sie den ISO-Wert erhöhen oder die Blende weiter öffnen müssen. Während eine offene
Blende auch positiv für die Bildwirkung sein kann, verschlechtert ein hoher ISO-Wert die Bildei-
genschaften. In der Praxis ist der optimale Verschlusszeitbereich, gerade bei längeren Brenn-
weiten, oft sehr klein: kurz genug, um die Bewegung in der gewünschten Weise einzufangen,
aber nicht kürzer, um kein Licht für die technische Bildqualität zu verschenken.
Die Reserven, die Sie mit der EOS R5 Mark II haben, sind allerdings recht groß. Unterbelich-
tung lässt sich gut ausgleichen, was auch wichtig wird, wenn Sie nur die Schatten aufhellen
möchten. Und die Qualität bei hohen ISO-Werten ist auch ordentlich.
Belichtungssimulation | Die Wirkung Ihrer Belichtungseinstellungen sehen Sie vor der Auf-
nahme nur dann im Sucher, wenn Sie im Menü Aufnahme 8 die Belichtungssimulation ein-
schalten (Simulation anzeigen auf Belichtung). Damit erhalten Sie eine genaue Vorschau der
Belichtung. Wenn Ihr Hauptlicht vom Blitz kommt, sollten Sie die Belichtungssimulation aus-
schalten, weil Sie ansonsten eventuell im Sucher nichts sehen. Zudem ist die Simulation nicht
aussagekräftig, da der Blitz nicht miteinbezogen werden kann.
2.1.5 ISO-Wert
Der ISO-Wert beschreibt die Verstärkung der Messwerte des Sensors. Je schwächer das Ein-
gangssignal ist (also je weniger Licht einfällt), desto mehr kann die Kamera das Signal verstär-
ken, ohne dass die Bildinformation in den Lichtern ausfrisst. Das können Sie sich ähnlich wie
den Lautstärkeregler beim Radio vorstellen. Wenn nur ein leises Signal hereinkommt, müssen
Sie den Lautstärkeregler hochdrehen, damit Sie die Sendung gut hören können. Genau wie bei
einer Digitalkamera verstärken Sie damit aber auch das Grundrauschen, weil es genauso ange-
hoben wird wie das Signal. Wenn Sie den ISO-Wert verdoppeln, können Sie den Blendenwert
um den Faktor 1,4 erhöhen (um eine Stufe abblenden) oder die Verschlusszeit halbieren und er-
halten trotzdem die gleiche Bildhelligkeit. Zu hohe ISO-Werte verschlechtern allerdings die Ge-
samtqualität des Bildes: Es erscheint verrauscht, der nutzbare Dynamikumfang schrumpft und
auch die Schärfe leidet etwas.
Die niedrigere Bildqualität bei höheren ISO-Werten liegt aber nicht nur am schrumpfenden
Signal-Rauschabstand. Sie hat auch damit zu tun, dass bei schwachem Licht und kurzen Belich-
tungszeiten nicht mehr jedes Sensorpixel von einem Photon (einem Lichtteilchen) getroffen
wird. Viele Pixel bleiben also schwarz bzw. zeigen nur ihr Grundrauschen.
Interessanterweise bringt eine nachträgliche Verstärkung der Bildhelligkeit ähnliche Resul-
tate. Wenn Sie z. B. ein korrekt belichtetes Bild bei ISO 3.200 aufnehmen und dann noch eines
zwei Blendenstufen unterbelichtet bei ISO 800 und das Letztere im Raw-Konverter wieder um
zwei Blenden aufhellen, erhalten Sie vergleichbare Bildergebnisse. Das normal belichtete Bild
2.1 Grundlagen: Belichtung
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