Nun leiten wir den Ausgang eines zweiten Operators an diesen Eingang. Wenn
dessen Sinuswelle eine sehr niedrige Frequenz hat, hören wir beim ersten
Operator ein Vibrato, da seine Frequenz durch die langsam schwingende
Sinuswelle des angedockten zweiten Operators periodisch erhöht und abgesenkt
wird. Wird die Frequenz des zweiten Operators allerdings so weit erhöht, so
dass sie sich im Hörbereich befindet, tritt statt dem Vibrato ein anderer Effekt
auf: Der modulierte Operator ändert seine Klangfarbe und klingt plötzlich gar
nicht mehr nach der Sinuswelle.
Die Art dieser neuen Klangfarbe und ihr Obertongehalt hängt wesentlich
von Frequenzverhältnis der beiden Operatoren ab: Handelt es sich um ein
ganzzahliges Frequenzverhältnis, entstehen harmonische Klangfarben;
handelt es sich um ein „krummes" nicht-ganzzahliges Verhältnis, entstehen
entsprechend schräge und unharmonische Klangfarben. Beide Varianten
können natürlich reizvoll sein.
Die Ausprägung oder Intensität der Klangfarbe, die dem Sinusoszillator durch
die beschriebene Frequenzmodulation entlockt wird, hängt von der Intensität
ab, mit der seine Frequenz durch den zweiten Operator moduliert wird – also
von dessen Pegel. Und dieser Pegel kann ja über die Hüllkurve beeinflusst
werden, was es möglich macht, die Ausprägung der neuen Klangfarbe exakt
im Zeitablauf zu steuern. Unser FM-Blockdiagramm sieht nun also so aus:
Bitte beachten Sie, dass ein Operator ein Audiosignal (Operator 1) oder nur
ein Modulationssignal (Operator 2) erzeugen kann. Zwischen diesen beiden
Funktionen muss unterschieden werden: Ein Operator dessen Signal wir hören
heißt Carrier, einer der moduliert Modulator.
Tatsächlich kann selbst eine Kombination aus nur einem Carrier und einem
Modulator eine Vielzahl an Spektren erzeugen, die außerdem dynamisch
steuerbar sind. So führt ein Absenken des Modulatorpegels durch die Hüllkurve
zum „Dumpferwerden" des Klangs, was dem Effekt eines sich schließenden
FM8 – 35