Serielle Kommunikation
13.1.1 Datenkapselung
Meldungen von RTUs in Halbduplex nicht zuverlässig unterstützt werden können.
Die Prozesszeit einer Meldung umfasst das Senden der Meldung über RS485, die
Verpackungszeit und die Bearbeitungszeit. Für eine zuverlässige Handhabung des
Halbduplexmodus muss die Bearbeitungszeit lang genug eingestellt werden, dass
eine erwartete Antwort eintrifft. Andere Meldungen werden nicht innerhalb der
Prozesszeit an die RS485-Leitung geschickt. Wird solch eine Meldung vom Netzwerk
empfangen, wird sie verzögert. Die Anwendung verwaltet die Abfragezeiten an den
Ports entsprechend.
13.1.1.3
Broadcast RTU-Polling
Beim Broadcast-Polling kann ein einzelner Server mit Hostverbindung einen
Pollingstrom an mehrere Remote Terminal Units (RTUs) verteilen.
Das Host-Gerät ist über eine serielle Schnittstelle mit einem Server verbunden. An
einen Host können bis zu 64 Server über das Netzwerk angebunden werden.
Zuerst stellt der Remote-Server eine Verbindung mit dem Host-Server her. Der
Host-Server wird so konfiguriert, dass er maximal drei eingehende Verbindungen
akzeptiert.
Der Host fragt dann nacheinander alle RTUs ab. Jede vom Host-Server empfangene
Abfrage wird an alle Remote-Server weitergeleitet (d. h. per Broadcast). Alle RTUs
empfangen die Abfrage und die betreffende RTU sendet eine Antwort aus. Die
Antwort geht an den Host-Server und anschließend an den Host zurück.
13.1.1.4
Preemptive RAW Socket
Die meisten SCADA-Protokolle sind Master/Slave-Protokolle und unterstützen nur ein
einzelnes Mastergerät. Preemptive RAW Socket bietet die Möglichkeit, dass mehrere
Master mit Remote-Terminal-Einheiten (RTUs) oder intelligenten Elektronikgeräten
(IEDs) protokollunabhängig kommunizieren können. Ein Beispiel: Das SCADA-
Master-Pollinggerät ist ein normales Hintergrundverfahren, das Daten von den
RTUs/IEDs an einer dauerhaften TCP-Verbindung sammelt. Gelegentlich kann die
Wartungskonfiguration für RTU/IED oder Steuerung von einem anderen Master (oder
einer dynamischen TCP-Verbindung) erforderlich sein.
Durch diese Funktion ist es möglich, dass ein dynamischer Master vor dem
permanenten Master bevorrechtigt wird. Durch eine Verbindungsanfrage von
einem dynamischen Master wird der permanente Master gesperrt. Die Sitzung des
permanenten Masters wird entweder durch Beenden der dynamischen Verbindung
oder durch Timeout auf Datenpaketen wiederhergestellt.
Nachstehend wird ein Szenario dargestellt, in dem alle RTUs mit den Preemptive-
RAW-Socket-Ports der RS416/RS416P-Geräte verbunden sind.
Der permanente Master ist mit dem Raw-Socket-Port des RS416/RS416P verbunden.
Raw Socket ist so konfiguriert, dass es immer mit dem Preemptive RAW-Socket-
Port verbunden wird, wenn abgefragte RTUs angeschlossen sind (Mehrfach-
Eingangsverbindung). Wenn alle Ports mit angeschlossenen RTUs als Preemptive
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RUGGEDCOM ROS v5.7
Konfigurationshandbuch, 12/2022, C79000-G8900-1543-02