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Amateurfunk Icom IC-R75 Anleitung Seite 4

rungsphase auch im 40-m-Band souverän
und bestand diese Prüfung des Großsignal-
verhaltens anstandslos: Beeinträchtigungen
durch die hohen Signalpegel aus dem un-
mittelbar benachbarten 41-m-Hörfunkband
waren bei ausgeschaltetem Vorverstärker
nicht zu verzeichnen.
In den Abendstunden kam es lediglich
nach Zuschaltung des Vorverstärkers in
den oberen Frequenzbereichen vereinzelt
zu Mischprodukten. Insgesamt betrachtet
zeigte der IC-R75 ein für ein Gerät dieser
Preisklasse hervorragendes Verhalten an
Außenantennen, und Großsignalprobleme
stellten allenfalls eine Randerscheinung
dar.
Der neue Preselector P-3 aus dem Hause
RF Systems sorgte in solchen Fällen au-
genblicklich für Ruhe. Steht keine Mög-
lichkeit zur Vorselektion zur Verfügung,
sollte man in solchen Fällen auf die Akti-
vierung des Vorverstärkers einfach ver-
zichten. Der Abschwächer des IC-R75
mußte während des Testbetriebs auch ohne
Einsatz eines externen Preselectors zu kei-
nem Zeitpunkt aktiviert werden.
Konzept und Ausstattung des IC-R75
kommen dem SWL-Betrieb insgesamt
sehr entgegen, zumal sich der Empfänger
durch ein geringes Eigenrauschen bis hin
zum 6-Meter-Band und das völlige Feh-
len von hörbaren Abstimmschritten aus-
zeichnet.
Die quasi stufenlos einstellbare digitale
Rauschreduzierung (bei nachgerüsteter
DSP-Einheit) bewährte sich regelmäßig
beim SSB-Empfang. Auch das automa-
tische Notchfilter zur Entfernung von Ab-
stimmträgern oder störenden Fernschreib-
signalen etc. erfüllte seine Aufgabe auf
Tastendruck, wenngleich man sich zuwei-
len die zusätzliche Möglichkeit einer ma-
nuellen Abstimmung gewünscht hätte.
In der nächsten Ausgabe des FA folgt ein
weiterer Beitrag, der den Einsatz des IC-
R75 im Transceive-Betrieb, d.h. in Verbin-
dung mit einem weiteren Sender bzw.
Transceiver, beschreibt.
4. Kurzwelle für BCLs
Nicht nur auf Mittelwelle, sondern auch
auf den Rundfunkbändern der Kurzwelle
brauchte der IC-R75 den Vergleich mit
anderen Kommunikationsempfängern von
AOR, Drake, JRC und Kenwood durch-
weg nicht zu scheuen. In den internatio-
nalen Rundfunkbereichen der Kurzwelle
halten sich fast alle Stationen an einen
Kanalabstand von jeweils 5 kHz, so daß be-
reits das 6-kHz-Bandbreitenfilter des IC-
R75 in vielen Fällen eine ausreichende
Trennschärfe zur Verfügung stellte.
Für ausgesprochene Programmhörer ist
die auf diese Weise erzielbare Empfangs-
und Wiedergabequalität stark einfallender
AM-Signale bereits eine gute Lösung. In
schwierigen Fällen bewirkte der Wechsel
auf das auch in AM verfügbare 2,1-kHz-
SSB-Filter eine Minderung von Nachbar-
kanalstörungen.
Um den dann zu dumpfen Klang des Si-
gnals wieder etwas zu verbessern, wurde
anschließend etwa 1 kHz neben der Nomi-
nalfrequenz abgestimmt. Sicherlich wün-
schenswert ist die bereits empfohlene
Nachrüstung des dritten AM-Filters von
ca. 4 kHz Bandbreite, was bereits beim
Kauf berücksichtigt werden sollte.
Viele ausgesprochene BC-DXer nutzen zur
Reduzierung von Interferenzen durch Sen-
der auf benachbarten Frequenzen die soge-
nannte ECSS-Technik. Hierbei wird ein
AM-Signal in SSB gehört, und zwar im
weniger gestörten Seitenband (USB bzw.
LSB). Auf diese Weise läßt sich auch sehr
Bild 5:
Diese Detailansicht
der Frontpartie
läßt insbesondere
das sehr exakt
anzeigende S-Meter
erkennen,
welches eine
Spitzenwertanzeige
(„Peak Hold")
aufweist.
effektiv die genaue Sendefrequenz ermit-
teln, die insbesondere in den Tropenbändern
(120 m, 75 m, 90 m, 60 m) nicht selten ne-
ben der Nominalfrequenz liegt.
Leichtes Nachregeln mit dem Paßband-
Tuning hilft, den etwas unangenehmen
Klang wieder aufzuhellen. Die sich auf
diese Weise einstellende Verbesserung der
Lesbarkeit zuvor heftig gestörter AM-Si-
gnale ist mitunter ganz erstaunlich. Als sehr
hilfreich zur Unterdrückung von Störun-
gen erwies sich beim IC-R75 das unter-
teilte Paßband-Tuning, bei dem sich die
obere und untere Flanke des Paßbandes
separat einstellen lassen.
In ganz schwierigen Fällen, beispielsweise
wenn ein besonders starkes Signal von
einer Nachbarfrequenz das gewünschte
BC-Nutzsignal zudeckte, half häufig auch
hier die Abschaltung der AGC und der
Wechsel auf manuelle Regelung.
Auf diese Weise konnte der IC-R75 mehr
als einmal unter Beweis stellen, daß sich
der Empfänger auch für den Einsatz durch
ausgesprochene BC-DX-Spezialisten gut
eignet, die systematisch nach exotischen
Hörfunksignalen Ausschau halten.
Fazit
Wer bis zu dieser Stelle durchgehalten hat,
wird sich kaum durch mein positives Ge-
Amateurfunk
samturteil überraschen lassen: Der IC-R75
ist der derzeit beste Kommunikationsemp-
fänger in der Preisklasse bis 2000 DM. Für
SWLs ist der IC-R75 die erste Wahl, sofern
nicht in einen NRD-545 investiert werden
soll, der allerdings rund das Doppelte ko-
stet. Bei BC-DX spielt der IC-R75 eben-
falls eindeutig in der obersten Amateur-
liga mit.
Auf Mittelwelle hatte der AR7030 in
Grenzfällen leichte Vorteile für sich zu
verbuchen; der NRD-545 war regelmäßig
dann erster Sieger, wenn Störungen durch
andere Stationen auf oder nahe der Fre-
quenz besonders stark die Lesbarkeit des
Nutzsignals beeinträchtigten.
In solchen Fällen halfen die bei einem
DSP-Empfänger gegebenen flexiblen Mög-
lichkeiten der Signalbeeinflussung deut-
lich weiter.
Insgesamt betrachtet lagen die drei Emp-
fänger jedoch durchweg sehr nahe bei-
einander, wirkliche Unterschiede zeigten
sich nur in Grenzsituationen. Erwartungs-
gemäß gab es dann auch kein tatsächlich
vorhandenes Nutzsignal, das mit dem IC-
R75 nicht empfangen werden konnte. Und
wenn ein Empfangsversuch einmal fehl-
schlug, dann mußten auch AR7030 und
NRD-545 passen.
Der IC-R75 stellt ein in seiner Gesamtheit
sehr ausgewogenes Konzept dar, das eine
gute Bedienbarkeit und recht erfreuliche
Empfangseigenschaften miteinander ver-
bindet. Solide Analogtechnik und her-
kömmliche Filterung auf der ZF-Ebene
wird – sofern nachgerüstet – durch sinn-
volle DSP-Zusatzfunktionen auf der NF-
Ebene ergänzt.
Anfang der 80er Jahre war mein erster
„echter" Kommunikationsempfänger ein
umfassend modifizierter IC-R70 von Icom,
der mir eine Vielzahl von raren DX-Signa-
len bescherte. Die Bedienung gestaltete sich
nicht ganz einfach, aber die Ergebnisse
überzeugten immer wieder, nicht zuletzt
aufgrund eines verblüffend effektiven Paß-
band-Tunings.
Ende der 90er Jahre beweist der IC-R75,
daß die analoge Empfangstechnik noch
längst nicht ausgedient hat.
FA 12/99 • 1353
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