werden (ab Werk wird das 2,1-kHz-SSB-
Filter geschaltet); und bei FM-Empfang
stehen 6 und 12 kHz Bandbreite zur Aus-
wahl.
Einen sehr positiven Eindruck hinterläßt
die großzügig bemessene und leichtgängi-
ge VFO-Hauptabstimmung, mit der sich
herrlich feinfühlig die gewünschte Fre-
quenz manuell einstellen bzw. auf Signal-
jagd nach seltenen Stationen gehen läßt.
Die wählbare Abstimmrate von 1 Hz bis
100 kHz kann den eigenen Vorlieben ent-
sprechend programmiert und durch Betäti-
gung der Taste „TS" abhängig von der je-
weiligen Betriebsart umgeschaltet werden.
Speicherbetrieb
In 101 Speicherplätzen werden neben der
Frequenz jeweils die Betriebsart, der Sta-
tus von Vorverstärker und Abschwächer
und gewählter Antenneneingang häufig
gehörter Frequenzen intern abgelegt. Bei
dieser Gelegenheit sei lobend erwähnt,
daß sich der aktivierte Antenneneingang
(„ANT 1": 50-Ω-Eingang; „ANT 2": 500-
Ω-Eingang) per Tastendruck („ANT SET")
von der Frontplatte aus anwählen läßt, so
daß ein umständlicher Griff an die Gehäuse-
rückseite, wie bei JRC Usus, entfällt.
Die Abspeicherung eines Datensatzes er-
folgt einfach durch die Wahl des ge-
wünschten Speicherplatzes und die an-
schließende Betätigung der Taste „MW".
Übrigens lassen sich nach Abruf einer ab-
gespeicherten Frequenz über den VFO-
Knopf unmittelbar Frequenzkorrekturen
vornehmen.
Das ist auch bei Kommunikationsempfän-
gern der Mitbewerber nicht anders. Eine
Besonderheit des IC-R75 besteht in der
Möglichkeit, bereits in der Grundausstat-
tung jedem Speicherplatz eine alphanume-
rische Bezeichnung zuzuordnen.
Wie sinnvoll dieses Ausstattungsdetail ist,
offenbart sich spätestens dann, wenn man
mehr als 10 bis 20 der verfügbaren Spei-
cherplätze tatsächlich nutzen will. Denn
wer kann sich schon ständig den Inhalt von
101 Speicherplätzen merken (obgleich dies
sicherlich noch leichter zu bewältigen wäre,
als bei den 1000 Speicherplätzen eines
NRD-545, die sich leider nicht alphanume-
risch benennen lassen)?
Der Vollständigkeit halber hier noch der
Hinweis, daß der IC-R75 sowohl bei VFO-
als auch bei Speicherbetrieb mit Such-
lauffunktionen ausgestattet ist.
Zugaben für schwieriges DX
Treten Störungen auf oder ist das Emp-
fangssignal zu schwach für eine ausrei-
chende Lesbarkeit, hält der IC-R75 da-
rüber hinaus eine ganze Reihe von Aus-
stattungsdetails bereit, die erfahrenen Nut-
zern in schwierigen Empfangssituationen
weiterhelfen: An erster Stelle zu nennen
ist die Möglichkeit, die AGC nicht nur
zwischen „langsam" und „schnell" umzu-
stellen (beide Werte sind gut gewählt),
sondern bei Bedarf, z.B. bei Gewitterstö-
rungen oder zum Empfang schwacher
Stationen in unmittelbarer Nähe sehr stark
einfallender Signale, ganz abzuschalten
und auf eine stufenlose manuelle HF-Ver-
stärkungseinstellung zu wechseln.
Über Paßband-Tuning verfügt der IC-R75
ebenfalls bereits ab Werk, wobei sich die
obere und untere Durchlaßgrenze wie bei
einem hochwertigen externen NF-Filter
einzeln einstellen läßt, so daß auf die je-
weilige Störsituation sehr flexibel reagiert
werden kann. Ein zuschaltbarer Störaus-
taster (Noiseblanker) hilft effektiv bei der
Unterdrückung von Zündstörungen und
ähnlichen elektrischen Interferenzen, was
insbesondere beim Einsatz in Fahrzeugen
hilfreich ist.
Bild 2: Rückansicht des Gerätes; auffallend
der zweite Antenneneingang (500 Ω, Klemm-
buchse) sowie RS-232C-Schnittstelle
Abhängig von der verwendeten Antenne,
empfiehlt sich die Aktivierung des einge-
bauten Vorverstärkers, der namentlich in
den oberen Bereichen der Kurzwelle für
eine deutlich bessere Lesbarkeit schwa-
cher Signale sorgt. Zumeist reicht hierfür
bereits die erste Verstärkungsstufe („PRE-
AMP 1": +10 dB); manchmal muß man
mit Hilfe von „PREAMP 2" (+16 dB) aber
auch etwas stärkere Geschütze auffahren
(besonders auf den Amateurfunkbändern
10 m und 6 m).
Eine Aktivierung des Abschwächers
(„ATT": –10 dB) macht sich hingegen nur
im Ausnahmefall erforderlich, zurückzu-
führen auf die generell geringe Neigung
des IC-R75 zur Übersteuerung. Abgerun-
det wird die serienmäßige Ausstattung des
Empfängers durch eine stufenlos ein-
stellbare Rauschsperre, die in allen Be-
triebsarten aktiviert werden kann, und
beim gemütlichen Mithören von SSB-
Runden auf 80 m oder in FM auf 10/11 m
hilfreich ist.
Wer noch nicht über ein hochwertiges ex-
ternes NF-Filter verfügt, interessiert sich
für die zusätzlichen Funktionen, die die
nachrüstbare DSP-Einheit (UT-106) bietet:
Sie leistet bereits beim IC-706 ab MKII
sowie als Zubehör zum PCR-1000 gute
Dienste. Zur Unterdrückung von Störtönen
dient ihr automatisches Notchfilter, das auf
Tastendruck („ANF") zu aktivieren ist.
Amateurfunk
Bei der Reduzierung von allgemeinem
Bandrauschen und Überschlägen von be-
nachbarten Frequenzen (Splatter) hilft ein
digitales Rauschfilter (Taste „NR"), dessen
Aggressivität sich in 15 Stufen an die Ge-
gebenheiten anpassen läßt. Insbesondere
SWLs und Funkdienst-DXer werden diese
Zusatzfunktionen zu schätzen wissen.
Eine Reihe von Grundeinstellungen lassen
sich über ein Menü vorwählen. Dazu gehö-
ren beispielsweise die Helligkeit des Dis-
plays, die Wirksamkeit des Rauschfilters
(sofern nachgerüstet), die Belegung des
Reglers für die manuelle HF-Regelung und/
oder Rauschsperre (Squelch), die Audio-
frequenz eines CW-Tons auf seiner Sende-
frequenz sowie die Zuordnungen der
Bandbreitenfilter auf der 9-MHz- und 455-
kHz-ZF-Ebene.
Hier bietet der IC-R75 eine weitere Be-
sonderheit: Man kann die auf der 2. und 3.
ZF eingebauten Filter durch interne Pro-
grammierung den eigenen Anforderungen
entsprechend miteinander kombinieren
und den verschiedenen Betriebsarten zu-
ordnen. Da alle diese Einstellungen zu-
meist gleich am Anfang vorgenommen
werden, muß man sich als Nutzer im Nor-
malfall nur selten damit auseinanderset-
zen; die einfache Bedienbarkeit des IC-
R75 bleibt so erhalten. Darüber hinaus
läßt sich der Empfänger zu einer be-
stimmten Zeit ein- bzw. ausschalten; auch
kann ein geeigneter Recorder per Fern-
steuerbuchse aktiviert werden, um auto-
matisch Sendungen mitzuschneiden.
Insgesamt betrachtet ist schon die Grund-
ausstattung des IC-R75 erfreulich kom-
plett. Vermißt werden lediglich eine Ton-
blende und ein zweiter VFO zum raschen
Vergleich von Parallelfrequenzen, jedoch
kann man sich auch leicht mit einem der
Speicherplätze behelfen.
Betriebserfahrungen
Während eines sechsmonatigen Langzeit-
tests wurde der IC-R75 an diversen An-
tennen betrieben und mit aktuellen Emp-
fängern anderer Hersteller verglichen. Als
Hauptreferenz diente hierbei ein AR7030,
der in seiner Grundausstattung dem IC-
R75 preislich ähnlich ist und in den ver-
Bild 3: DSP-Unit UT-106 – ein sehr empfeh-
lenswertes Zubehör
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