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Amateurfunk
Kommunikationsempfänger
Icom IC-R75
HARALD KUHL – DE8JOI
Im Zeitalter DSP-gestützter Gerätekonzepte wartet Japans bekannte Edel-
schmiede für großsignalfeste Eingangsteile mit einem rein analog arbei-
tenden Empfänger auf. Schauen wir uns näher an, inwieweit ein solches
Produkt heutigen Anforderungen gerecht wird.
Das Warten hat ein Ende, und – soviel sei
bereits an dieser Stelle verraten – es hat
sich gelohnt. Nach dem Breitbandempfän-
ger IC-R8500 hat Icom mit dem IC-R75
nun wieder einen Kommunikationsemp-
fänger im Programm, der sich speziell an
die Mittel- und Kurzwellenhörer wendet.
Und als Zugabe wird auch noch der Fre-
quenzbereich bis 60 MHz abgedeckt.
Während der IC-R72 auf vergleichweise
wenig Resonanz stieß, kann der IC-R75 an
erfolgreiche Kommunikationsempfänger
wie den IC-R70 und den IC-R71 anknüp-
fen und hat seit seiner Markteinführung be-
reits zahlreiche Anhänger unter den SWLs
und BCLs gefunden.
Ausstattung und Aufbau
Sehr zur Freude vieler Anwender, mit de-
nen ich in den zurückliegenden Monaten
über das Gerät sprechen bzw. mich per
Internet austauschen konnte, hat Icom sei-
nen neuen Kommunikationsempfänger mit
einem weitestgehend traditionellen Bedie-
nungskonzept ausgestattet. Es besteht somit
kaum die Gefahr, sich in einer menüge-
führten Bedienung zu verirren. Vier Regler,
34 (Gummi-)Drucktasten und ein wohl-
dimensionierter und griffiger VFO-Knopf
mit Fingermulde teilen sich die übersicht-
liche Frontpartie mit einem nach vorne
gerichteten Lautsprecher, einer Anschluß-
buchse für Kopfhörerbetrieb, und einem
übersichtlichen LC-Display.
Der Dreifachsuper empfängt Signale in den
Betriebsarten USB, LSB, CW, RTTY, AM,
AM-SYNCH (Synchrondemodulator) und
FM in einem großen Frequenzbereich, der
bei 30 kHz beginnt und erst bei 60 MHz
1350 • FA 12/99
endet. Untergebracht ist die Empfangstech-
nik in einem schwarzen Metallgehäuse, ein-
zig bei der Frontplatte haben sich die Ent-
wickler für die Verwendung von schwar-
zem Kunststoff entschieden. Das Format,
ca. 240 mm × 105 mm × 275 mm (B×H×T)
einschließlich überstehender Teile, gleicht
dem der bewährten Mobiltransceiver IC-
728/729 (Vorgänger des IC-706).
Bild 1:
Das hintergrund-
beleuchtete Display
informiert mit Hilfe
von angenehm
großen Ziffern
(15 mm hoch)
über die aktuelle
Empfangfrequenz
(bis zu 1 Hz genau)
sowie zahlreiche
weitere Parameter.
Alternativ läßt sich
die aktuelle Uhrzeit
darstellen.
Mit rund 3 kg ist der IC-R75 im Vergleich
zu früheren Modellen erstaunlich leicht,
nicht zuletzt zurückzuführen auf das aus-
gelagerte Netzteil. Auf der Unterseite des
Gehäuses befindet sich ein ausklappbarer
Stellbügel, der das Gerät in eine bedie-
nungsfreundliche Schräglage bringt.
Die aufgeräumte Rückseite des Empfän-
gers bietet eine komplette Sammlung von
Anschlußmöglichkeiten (s. Typenblatt in
FA 1/2000 und Bild 2). Sämtliche Buchsen
sind in gängigen Normen (Klinke; Cinch)
ausgeführt, man muß sich also keine teuren
Spezialstecker oder Adapter beschaffen.
Die Beschriftung der Buchsen erfolgt auf
dem Typenschild und wird beim ersten
Blick leicht übersehen.
Zum Lieferumfang gehört auch ein exter-
nes Netzgerät für 230-V-Betrieb (leider
nicht umschaltbar auf 110 V). Der IC-R75
wird im Funkfachhandel für rund 2000
DM angeboten.
Zubehör im Baukastenprinzip
Mit DSP-Technologie arbeitende Empfän-
ger für Amateure wie der KWZ-30 oder
der NRD-545 haben ab Werk bereits fast
alles drin, was des SWLers bzw. BC-DXers
Herz begehren könnte. Für vielseitig inter-
essierte Hörer, die neben SSB und AM auch
CW und RTTY in bestmöglicher Qualität
empfangen (und das nötige Kleingeld da-
für ausgeben) wollen, ist das sicher eine
sinnvolle Sache.
Bei in herkömmlicher Analogtechnik auf-
gebauten Empfängern wie dem IC-R75
würde ein solches Komplettpaket mit von
vornherein optimaler Ausstattung für alle
Betriebsarten jedoch nur unnötig den Preis
in die Höhe treiben. Ein Großteil der Nutzer
wird sich erfahrungsgemäß auf einen be-
stimmten Teil des Signalangebots konzen-
trieren wollen und kann daher auf einige
Ausstattungsdetails, wie z.B. schmale CW-
oder SSB-Filter, eher verzichten.
Bereits in seiner Grundausstattung ist der
IC-R75 uneingeschränkt für den Empfang
von Signalen aller Art im genannten Fre-
quenzbereich einsetzbar.
Unter dem reichhaltigen Zubehör verdient
die Spracheinheit UT-102 besondere Be-
achtung. Sie sagt auf Knopfdruck mit Hilfe
einer elektronischen Stimme die aktuelle
Frequenz, Betriebsart, Signalstärke und
Uhrzeit in englischer (oder japanischer)
Sprache an und richtet sich in erster Linie an
sehbehinderte Hörer. Icom gebührt für die-
ses seit vielen Jahren andauernde Engage-
ment für sehbehinderte Nutzer ein ausdrück-
liches Lob, zumal andere Hersteller ver-
gleichbarer Geräte diesbezüglich leider
nichts mehr zu bieten haben.
Bedienungskonzept
Das gelungene Bedienungskonzept des
IC-R75 erlaubt auch dem Newcomer ohne
langes Studium der Bedienungsanleitung
einen schnellen Einstieg in den Empfangs-
betrieb, da sämtliche wichtigen Funktionen
per Tastendruck direkt zugänglich sind.
Die Frequenzeingabe erfolgt über ein Ta-
stenfeld auf der rechten Seite der Front-
platte: Entweder in MHz mit einem „."
hinter der MHz-Angabe, oder als kHz-
Angabe; dann allerdings mangels einer
„kHz"-Taste bis auf die letzte angezeigte
Stelle (also bis auf 10 oder 1 Hz).
Die gewünschte Betriebsart steht spätestens
nach dem zweiten Tastendruck zur Ver-
fügung: Für „USB/LSB", „CW/RTTY",
„AM/AM-SYNCH" und „FM" ist jeweils
eine eigene Drucktaste vorgesehen. Die
Lautstärke läßt sich sehr feinfühlig über
einen Regler einstellen. Die Wahl der er-
forderlichen Filterbandbreite erfolgt durch
die ein- oder mehrmalige Betätigung der
Taste „FIL": Für SSB können zwei Band-
breiten angewählt werden (2,1 kHz ist ab
Werk eingebaut; ein weiteres Bandbreiten-
filter ist nachrüstbar); bei AM- und AM-
SYNCH-Empfang stehen bis zu drei Band-
breiten zur Verfügung (2,1 und 6 kHz sind
ab Werk eingebaut; eine weitere Band-
breite ist nachrüstbar); für CW und RTTY
können zwei schmale Filter hinzugefügt
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Inhaltszusammenfassung für Amateurfunk Icom IC-R75

  • Seite 1 Amateurfunk Kommunikationsempfänger CW und RTTY in bestmöglicher Qualität empfangen (und das nötige Kleingeld da- für ausgeben) wollen, ist das sicher eine Icom IC-R75 sinnvolle Sache. Bei in herkömmlicher Analogtechnik auf- gebauten Empfängern wie dem IC-R75 HARALD KUHL – DE8JOI würde ein solches Komplettpaket mit von Im Zeitalter DSP-gestützter Gerätekonzepte wartet Japans bekannte Edel-...
  • Seite 2 Amateurfunk werden (ab Werk wird das 2,1-kHz-SSB- weiterhelfen: An erster Stelle zu nennen Bei der Reduzierung von allgemeinem Filter geschaltet); und bei FM-Empfang ist die Möglichkeit, die AGC nicht nur Bandrauschen und Überschlägen von be- stehen 6 und 12 kHz Bandbreite zur Aus- zwischen „langsam“...
  • Seite 3 Amateurfunk gangenen Jahren weite Verbreitung unter und DeutschlandRadio Berlin auf 177 kHz In Grenzfällen mag man hier jedoch dem den Mittel- und Kurzwellenhörern gefun- gilt. AR7030 leichte Vorteile zugestehen. Des den hat. Nur bedingt überzeugen konnte der einge- weiteren zeigte sich der AR7030 beim baute Synchrondemodulator des IC-R75.
  • Seite 4 Amateurfunk rungsphase auch im 40-m-Band souverän AM-Signale bereits eine gute Lösung. In samturteil überraschen lassen: Der IC-R75 und bestand diese Prüfung des Großsignal- schwierigen Fällen bewirkte der Wechsel ist der derzeit beste Kommunikationsemp- verhaltens anstandslos: Beeinträchtigungen auf das auch in AM verfügbare 2,1-kHz- fänger in der Preisklasse bis 2000 DM.