Amateurfunk
gangenen Jahren weite Verbreitung unter
den Mittel- und Kurzwellenhörern gefun-
den hat.
1. Mittel- und Langwelle
Da die im städtischen Bereich – wenn
überhaupt – realisierbaren Drahtlängen für
L-Antennen von 10 bis 20 m Länge unter-
halb von rund 2 MHz zumeist kaum über-
zeugende Empfangsergebnisse bringen,
durften bei dieser Gelegenheit zwei neue
Rahmenantennen ihr Empfangspotential
unter Beweis stellen: Die selektive Magnet-
antenne GS3-SE aus dem Hause Grahn und
die breitbandige Rahmenantenne ALA 1530
von Wellbrook Communications. Beide
Antennen empfangen auch den gesamten
Kurzwellenbereich, dienten in diesem Fall
jedoch ausschließlich für Empfangsver-
suche auf Lang- und Mittelwelle.
AR7030 und IC-R75 erbrachten durchweg
sehr ähnliche Signale und erlaubten selbst
den Empfang schwacher Veranstaltungs-
sender aus Großbritannien, die dort zeitlich
begrenzt mit einer Sendeleistung von ma-
ximal 1 W effektiver Strahlungsleistung
senden dürfen.
Gehört – und mittlerweile per QSL bestä-
tigt – wurden u.a. Radio Caroline auf 1503
kHz und Radio Northsea International auf
1575 kHz. Die Lesbarkeit der Signale war
bei IC-R75 und AR7030 sehr ähnlich,
wenngleich der AOR durch seine effektive
Tonblende und eine hervorragende AM-
Wiedergabe leichte Vorteile für sich ver-
buchen konnte.
Andererseits lud der IC-R75 durch seine
sehr angenehme und ausgewogene Wie-
dergabe von AM-Signalen in Filterstel-
lung 6 kHz regelmäßig zum Verweilen
und Zuhören auf der Frequenz ein, was
übrigens auch für die Langwellensender
von Deutschlandfunk Köln auf 153 kHz
1352 • FA 12/99
und DeutschlandRadio Berlin auf 177 kHz
gilt.
Nur bedingt überzeugen konnte der einge-
baute Synchrondemodulator des IC-R75.
Diesbezüglich war der AR7030 mit seinem
Synchrondetektor, der die Auswahl des un-
gestörteren der beiden Seitenbänder erlaubt,
eindeutig im Vorteil, was auch Nutzern des
IC-R75 in Skandinavien und den USA be-
stätigten und ferner beim AM-Empfang auf
Kurzwelle nachzuweisen ist.
Das insgesamt überzeugende Mittelwel-
len-Empfangsverhalten des IC-R75 an lei-
stungsfähigen Rahmenantennen wieder-
holte sich später bei Tests an bis zu 500 m
langen Beverage-Antennen. Insbesodere
dank der abschaltbaren AGC in Verbindung
mit stufenlos einstellbarer manueller
HF-Verstärkungseinstellung war es häufig
möglich, zuvor vermeintlich „unmögliche"
Bild 4:
Die Innenansicht
des IC-R75
macht dank SMD
einen sehr
aufgeräumten
Eindruck.
Deutlich sind
die Steckplätze
für die nachzu-
rüstenden Optionen
sowie für die
beiden zusätzlichen
ZF-Filter
zu erkennen.
Signale doch noch über die Schwelle der
Lesbarkeit zu heben, wobei es hier – un-
abhängig vom gerade verwendeten Emp-
fänger – auf das Geschick des Nutzers
ankommt.
Während der beginnenden Wintersaison
konnten mit dem getesteten IC-R75 be-
reits diverse Mittelwellensender aus Nord-
und Südamerika sowie aus der Karibik
gehört werden. Ebenso fiel Radio Free
Afrika aus Tansania auf 1377 kHz mit teil-
weise beeindruckender Signalstärke ein.
Der IC-R75 brauchte sich also beim Emp-
fang auf Mittelwelle keineswegs hinter
dem AR7030 zu verstecken.
Außerdem habe ich gezielt nach Amateur-
funkaktivitäten unterhalb von 150 kHz
gesucht, um Vergleiche mit dem AR7030
anzustellen. Hierbei erwies sich der Emp-
fänger von AOR als etwas empfindlicher,
wobei sämtliche gefundenen Signale mit
beiden Geräten in letztlich identischer
Lesbarkeit gehört werden konnten.
In Grenzfällen mag man hier jedoch dem
AR7030 leichte Vorteile zugestehen. Des
weiteren zeigte sich der AR7030 beim
Empfang von ungerichteten Funkbaken
(NDB) im Bereich 300 bis 500 kHz als hör-
bar empfindlicher. Demgegenüber lieferten
Hörfunkstationen auf Langwelle an beiden
Empfängern identische Ergebnisse.
Der beim IC-R75 eingebaute Lautsprecher
strahlt nach vorn und reicht als Monitor-
lautsprecher sicherlich aus. Obzwar seine
Wiedergabequalität deutlich besser ist als
bei den JRC-Empfängern NRD-545 (bzw.
NRD-525 und NRD-535), reicht sie längst
nicht an die immer wieder verblüffende
Tonqualität eines KWZ-30 heran.
Will man also das volle Klangpotential
des IC-R75 nutzen, empfiehlt sich auf je-
den Fall die Verwendung eines externen
Zusatzlautsprechers. Icom bietet entspre-
chende Modelle an; gute Erfahrungen wur-
den auch mit kleinen preiswerten Mini-
Boxen aus dem HiFi-Bereich gemacht.
2. Kurzwelle für SWLs
SWLs werden genauso ihre Freude mit
dem IC-R75 haben: Der Empfänger er-
wies sich während des Testbetriebes schon
bald als sehr gut geeignet, sowohl für die
DX-Jagd in den Amateurfunkbereichen
nach seltenen Ländern und Inseln als auch
für das gemütliche Mithören bei den 80-/
40-m-Gesprächsrunden der Funkamateure.
Die Bedienung – speziell Frequenzabstim-
mung und Speicherverwaltung – ließ zu
keinem Zeitpunkt Kritik aufkommen und
verwies den AR7030 klar auf den zweiten
Platz.
Einzig dem NRD-545 kann man in dieser
Hinsicht eine noch komfortablere Lösung
bescheinigen. Das ab Werk im IC-R75 ein-
gebaute SSB-Filter hinterließ im täglichen
Empfangsbetrieb hinsichtlich Selektivität
und Klangbild einen sehr guten Eindruck.
Letztere war deutlich prägnanter als beim
Vergleichsempfänger AR7030, wodurch
sich offensichtliche Vorteile beim Empfang
schwacher SSB-Signale ergaben.
Schmerzlich vermißt wurde allerdings ein
schmales CW-Filter, das bei Bedarf nach-
gerüstet werden muß. Zur Not kann man
sich mit einem vielleicht bereits vorhande-
nen NF-Filter behelfen, um die Bandbreite
einzuengen und schwache CW-Signale zu
isolieren. Die Funktion CW-Reverse fin-
det sich sonst bei keinem anderen der ak-
tuellen Empfänger dieser Art.
Für RTTY-Empfang steht eine Funktion
zur Verfügung, die bei Bedarf MARK und
SPACE vertauscht.
Am rund 50 m langen Kelemen-Doppel-
dipol für 160/80 m sowie an der Titanex
Logperiodic für 40 bis 10 m von OM Hans-
Jürgen, DL4YBP, zeigte sich der IC-R75
während der besonders kritischen Dämme-