Superscope A-260
Seit 1975 ist die Firma Superscope,
bisher vor allem als Hersteller der renom-
mierten Marke Marantz-Produkte bekannt,
mit einer eigenen Tochtergesellschaft in
der Bundesrepublik vertreten. Die in 6079
Sprendlingen bei Frankfurt/Main, Max-
Planck-Str. 22, ansässige Firma importiert
neben dem erweiterten Marantz-Programm
jetzt auch eine Palette preiswerter HiFi-Ge-
räte der Marke „Superscope". Das HiFi-
Programm von Superscope umfaßt derzeit
Steuergeräte, Tuner, Cassettenrecorder,
Lautsprecherboxen sowie vier Kompaktver-
stärker.
Der getestete A-260 ist das leistungs-
stärkste Stereogerät der Reihe, seine reich-
haltige Ausstattung setzt zudem in dieser
Preisklasse derzeit den Maßstab: Auftrenn-
bare Vor- und Endstufe und zwei Mikrofon-
eingänge gehören ebenso zur serienmäßi-
gen Ausstattung wie eine {nicht regelbare)
Pseudo-Quadro-Lautsprechermatrix.
Meßtechnisch bot das Testexemplar ein
nicht ganz einheitliches Bild: Neben hervor-
ragenden Werten für Klirrfaktor und Fremd-
spannungsabstände ergaben sich eher
mäßige Daten für Intermodulationsverzer-
rungen bei Nennleistung und den Dämp-
fungsfaktor bei tiefen Frequenzen. Im
ganzen aber ist der Superscope A-260 ein
Gerät, das auf Grund seiner reichhaltigen
Ausstattung ein hochinteressantes Modell
für den preisbewußten Käufer ist.
Steckbrief der
wesentlichen Merkmale
Anschlüsse für zwei Lautsprecher-
paare, die auch gemeinsam betrieben
werden können, sowie eine Matrix für
Quasi-Quadrofonie mit den zugehörigen
Anschlüssen für zwei Lautsprecher, zwei
Netzbuchsen amerikanischer Norm, davon
eine über Netzschalter geschaltet. Vor- und
Endstufe auftrennbar, auf der Frontseite
zusätzliche Auxeingänge, die bei Bedarf
als Mikrofoneingang geschaltet werden
können, weiterhin Eingänge für: magneti-
sche Tonabnehmer, Tonband (in DIN und
Cinch-Ausführung) mit Mithörmöglichkeit
sowie Tuner. Klangsteller in Stufen.
Ergebnis der meßtechnischen
Untersuchung
Schon die Bedienungsanleitung, die
leider nur in englischer und französischer
Sprache vorlag, weist vier nach verschiede-
nen Normen gemessene Leistungsangaben
auf. Im deutschsprachigen Superscope-Pro-
spekt werden sogar sechs verschiedene
Leistungsangaben gemacht. Angesichts
dieser Datenmenge verwundert es nicht,
wenn sich darunter Leistungsangaben
finden, die bei Messung nach geltender
DIN schlicht falsch sind. Die
Normausgangsleistung ist teilweise um den
Faktor zwei geringer als angegeben. Unter-
halb der Leistungsgrenzen wurden jedoch
vom Testexemplar Daten erreicht, die die
Herstellerangaben weit übertreffen. Die
Klirrverzerrungen sind vernachlässigbar
gering, lediglich die Intermodulationsverzer-
rungen überschreiten bei der nach der
Bedienungsanleitung gewählten Nennlei-
stung unsere interne „Schallgrenze" von
1 %. Der Dämpfungsfaktor ist für hohe
Frequenzen erfreulich hoch, sinkt aber
erheblich im Baßbereich. Dementspre-
chend zeigt der Frequenzgang der End-
stufe einen starken Baßabfall, der aber bei
Betrieb über die Vorstufe mit Hilfe des
Baßreglers leicht zu korrigieren ist. Anson-
sten ist der Frequenzgang der Endstufe
linealglatt.
Entzerrung und Impedanzverlauf des
magnetischen Phonoeingangs sind für
magnetische und dynamische Tonabneh-
mer gleichermaßen günstig ausgelegt. In
beiden Fällen ist zwar ein leichter Baßab-
fall vorhanden, der aber wegen eines feh-
lenden Rumpelfilters sich nicht nachteilig
auswirkt. Die Übersteuerungsgrenze des
Eingangs liegt ausreichend hoch, so daß
auch in ungünstigen Fällen keine Über-
steuerungen dieses Eingangs auftreten
können. Die Hochpegeleingänge sind nicht
übersteuerbar, die Empfindlichkeit ist für
die Praxis zu hoch, es ergeben sich da-
durch ungünstige Einstellmöglichkeiten für
die Lautstärke. Die Fremdspannungsab-
stände sind über alle Eingänge hervorra-
gend, ein besonderes Lob gebührt dem
Eingang Phono magn.: Derartig gute Werte
wurden bisher in unserem Labor noch nicht
gemessen ! In der Praxis dürften diese
hervorragenden Werte aber kaum auszunut-
zen zu sein, denn die unvermeidbaren
Brummeinstreuungen über das Verbin-
dungskabel des Plattenspielers zum Ver-
stärker bestimmen wesentlich den maximal
erreichbaren Fremdspannungsabstand.
Durch gute Fremdspannungsabstände, wie
der A-260 sie bietet, wird lediglich ausge-
schlossen, daß der Störabstand noch zu-
sätzlich durch Verstärkerrauschen verklei-
nert wird.
Ergebnis der praktischen
Erprobung
Der Superscope A-260 erzeugte, wie es
die Meßergebnisse erwarten ließen, ein
sauberes Klangbild, die zur Verfügung
stehende Leistung reicht auch bei Pseudo-
Quadro-Betrieb mit vier Lautsprechern
hohen Wirkungsgrades aus, um in üblichen
Wohnräumen HiFi-gerechte Lautstärke zu
erzeugen. Als starken Nachteil empfand
ich die fehlende Raststellung des Balance-
stellers für Stereomitte, die hier wegen
starker Pegelunterschiede links/rechts bei
verschiedenen Lautstärkereglerstellungen
besonders zu wünschen gewesen wäre, um
eine leichte Korrektur des Mitteneindrucks
zu ermöglichen. Die Form des Balancestel-
lerknopfes erschwert zudem noch eine
genaue Reproduzierbarkeit einmal gefunde-
ner Einstellungen. Der Lautstärkeeinsteller
und besonders der Eingangswahlschalter
sollten griffiger sein, außerdem fehlt eine
Skala am Lautstärkeregler. Das Klangregel-
netzwerk ist besonders für kleine Korrektu-
ren tiefer Frequenzen sehr gut ausgelegt,
für große Anhebungen oder Absenkungen
im Baßbereich ist die Charakteristik weni-
ger gut geeignet, weil dann der Einsatz-
punkt mit 350 Hz zu sehr nach hohen Fre-
quenzen hin verschoben wird. Der Einsatz-
punkt des Höhenreglers liegt mit 3500 Hz
im günstigen Kompromißbereich, die
maximal möglichen Korrekturen von ± 15
dB übertreffen das in der Praxis Übliche.
Die gehörrichtige Lautstärkeregelung
befriedigt in der hier gebotenen Form nicht
ganz, weil die Baßanhebung bei zu hohen
Frequenzen einsetzt und die Wirkung nicht
genügend abgestuft ist. Aufgrund der star-
ken Baßanhebung wird relativ früh die Lei-
stungsgrenze des Verstärkers überschrit-
ten, so daß schon bei geringen Lautstärken
hörbare Verzerrungen auftreten. Die grobe
Stufung der gehörrichtigen Lautstärkerege-
lung in Verbindung mit der hohen Eingangs-
empfindlichkeit führt dazu, daß in der Pra-
xis immer im Bereich kleiner Lautstärke-
reglerstellungen, also größter Baßanhe-
bung, operiert wird, so daß die Vorteile der
bei großen Stellungen des Lautstärkestel-
lers veränderten Baß- und Höhenanhebung
in der Praxis nicht nutzbar sind.
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Auf den ersten Blick zwar sehr überzeu-
gend, für die Praxis aber als zu hoch erwie-
sen sich die Eingangsempfindlichkeiten der
Hochpegeleingänge. Üblicherweise können
hier Eingangsspannungen um 1 Volt erwar-
tet werden, so daß in der Regel schon bei
sehr kleinen Stellungen des Lautstärkereg-
lers sehr große Lautstärken erzeugt wer-
den. Durch die hohe Empfindlichkeit wird
wertvoller Stellweg verschenkt, so daß
exakte Einstellungen und minimale Laut-
stärkeänderungen unnötig erschwert wer-
den. Für die Praxis günstiger wäre eine um
10 dB verringerte Empfindlichkeit der
Hochpegeleingänge oder alternativ ein
zusätzlicher Muting-Schalter. Als sehr
praktisch erwiesen sich die schaltbaren
Mikrofon/Aux-Eingänge auf der Frontseite
des Geräts, sie beschleunigen das An-
schließen von Zusatzgeräten erheblich,
vorausgesetzt natürlich, ein entsprechen-
des Anschlußkabel steht zur Verfügung.
Material und Verarbeitung
Das Testgerät war in einwandfreiem
Zustand, es gab keinen Anlaß zu Beanstan-
dungen.
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